Einsamkeit, die soziale frage unserer zeit?
Humboldt-Universität – Institut für deutsche Literatur
Nov 5, 2026

Janosch Schobin
Frankfurt am Main
Einsamkeit, die soziale frage unserer zeit?
Mit Michael Kämper-van den Boogaart
Einsamkeit gilt als soziale Frage unserer Zeit. Es wird von einer Einsamkeitsepidemie gesprochen. Überraschenderweise waren für die Bundesrepublik jedoch lange eher stabile bis abnehmende Einsamkeitsbelastungen zu konstatieren. Mit der Covid-19-Pandemie hat sich dieser Sachverhalt abrupt geändert. Es ist daher Zeit für eine Bestandsaufnahme, die fragt: Welche gesellschaftlichen Dynamiken begünstigen Vereinsamungsprozesse? Diese Frage entpuppt sich bei genauer Betrachtung als die Frage, welche Arten einsamer Figuren in einer Zeit eigentlich zu- oder abnehmen? Die unfreiwillig partnerlose Frau der 1950er Jahre etwa, ist so erkennbar ein Kind ihrer Zeit, wie der junge Mann der 2020er Jahre, der glaubt, dass der Feminismus ihm die Frauen für immer abspenstig gemacht hat, eins der unseren ist. Gefragt wird daher, wie sozialer Wandel und die unterschiedlichen Arten des Einsamseins zusammenhängen.
JANOSCH SCHOBIN: Soziologe; Privatdozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenznetz Einsamkeit des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt am Main. Dort entwickelt er unter anderem das Einsamkeitsbarometer für das BMBFSFJ. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Ernährungssoziologie, Freundschaftssoziologie und Einsamkeitsforschung. Neben seinen vielfältigen wissenschaftlichen Tätigkeiten ist Janosch Schobin in der Beratung zur Entwicklung von Angeboten gegen Einsamkeit tätig. So unterstützte er beispielsweise die Enquete-Kommission IV des Landtags NRW mit einem Gutachten zu Einsamkeit und gesellschaftlichem Wandel. Zuletzt hat er unter anderem Forschungsarbeiten zur Auswirkung der Geschlechterungleichheit auf die Verbreitung von Einsamkeitsbelastungen, zum Zusammenhang von Einsamkeit und Vertrauen in demokratische Institutionen und zur Stigmatisierung von Einsamkeit veröffentlicht. 2025 erschien sein jüngstes Buch »Zeiten der Einsamkeit. Erkundungen eines universellen Gefühls« im Hanser Verlag.
Die MOSSE LECTURES an der Humboldt-Universität zu Berlin werden gefördert von der
Veranstalter: Humboldt-Universität – Institut für deutsche Literatur
Prof. Dr. Lothar Müller, Dr. Hendrik Blumentrath, Prof. Dr. Michael Kämper-van den Boogaart,
Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza, Prof. Dr. Ulrike Vedder, Prof. Dr. Joseph Vogl, Prof. Dr. Martina Wernli, Prof. Dr. Stefan Willer
Programm u. Koordination: Dr. Denise Reimann, Tel: 030 2093-85033
